Die Palästinensische Kampagne für den akademischen und kulturellen Boykott Israels - 30 Juli 2019

Boykottiert das Pop-Kultur Berlin Festival 2019

Palästinenser*innen rufen zum Boykott des Pop-Kultur Berlin Festivals auf, bis das Festival seine Partnerschaft mit Israel beendet.

Die Palästinensische Kampagne für den akademischen und kulturellen Boykott Israels (PACBI) ruft alle teilnehmenden Künstler*innen beim Pop-Kultur Berlin Festival auf, aufgrund dessen andauernden Partnerschaft mit der israelischen Botschaft ihre Teilnahme abzusagen. Vierzehn Künstler*innen aus sechs verschiedenen Ländern zogen sich aus diesem Grund von den beiden letztjährigen Pop Kultur Berlin Festivals zurück, so wie sie sich von einer Veranstaltung in Deutschland zurückgezogen hätten, die auf dem Höhepunkt der Apartheid mit dem südafrikanischen Regime zusammengearbeitet hätte.

Tatsächlich hat Israel seinem seit langem etablierten Apartheid-Regime gegen Palästinenser*innen mit dem letztjährigen „Jüdischen Nationalstaatsgesetz“ einen verfassungsmäßigen Status verliehen. Ermutigt durch die beispiellose Unterstützung der Trump-Administration erklärte Netanyahu kürzlich, dass „Israel nicht ein Staat all seiner Bürger*innen ist“ und versprach, das besetzte palästinensische Westjordanland zu annektieren.

Nach Aussage von UN-Ermittler*innen haben israelische Scharfschütz*innen absichtlich auf unbewaffnete palästinensische Demonstrant*innen im belagerten Gazastreifen, einschließlich Ärzt*innen, Journalist*innen, Kinder und Menschen mit Behinderungen gezielt, was „Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen könnte“. Israel wurde jedoch nicht zur Rechenschaft gezogen. Seine brutale Belagerung von zwei Millionen Palästinenser*innen in Gaza geht weiter, doch Israels Straflosigkeit auf der Weltbühne ist nach wie vor intakt.

Diese Straflosigkeit ist der Grund, warum Tausende von Künstler*innen heute den kulturellen Boykott des israelischen Regimes und mitschuldigen Institutionen unterstützen, wobei israelische Lobbygruppen privat dessen Auswirkungen und sein Wachstum anerkennen. Aber unabhängig davon, ob eine bestimmte Künstler*in die Boykott-, Desinvestitionen- und Sanktionen-Bewegung (BDS) für die Rechte der Palästinenser*innen unterstützt oder nicht, hat jede/r die ethische Verpflichtung, den gewaltfreien Kämpfen für Menschenrechte keinen Schaden zuzufügen, sie nicht untergräbt und die Meinungsfreiheit verteidigt.

Israels rechtsextremes Regime von Apartheid, Besatzung und Siedler-Kolonialismus übertüncht seine Unterdrückung der Palästinenser*innen explizit durch Kultur ausdrücklich, auch durch Partnerschaften mit angeblich fortschrittlichen Festivals. Dennoch haben die Organisator*innen des Pop-Kultur Festivals wiederholt mit krassen, vulgären und anti-palästinensischen Ausdrücken deutlich gemacht, dass ihnen eine Partnerschaft mit Israel wichtiger ist als die Aufrechterhaltung eines eigenen künstlerischen Programms.

Tatsächlich kann das Festival nicht mehr die Vielfalt fortschrittlichen Künstler*innen anziehen wie noch vor wenigen Jahren. Die Organisator*innen prüfen alle potenziellen Künstler*innen und schließen diejenigen aus, die mit der Zusammenarbeit des Festivals mit dem israelischen Unterdrückungsregime nicht einverstanden sind. Aus diesem Grund erwarten wir in diesem Jahr weniger Absagen. Aber wir und unsere Partner*innen in Deutschland und auf der ganzen Welt, darunter fortschrittliche jüdische und israelische Gruppen und Persönlichkeiten, werden die Kampagne zum Boykott des Pop-Kultur-Festivals fortsetzen bis es diese Partnerschaft beendet.

Während die extreme Rechte weltweit weiter zunimmt, sind antirassistische Bewegungen wie BDS zunehmend antidemokratischen Angriffen ausgesetzt, auch in Deutschland. Wir stimmen Martin Luther King Jr. zu, dass „Ungerechtigkeit an irgendeinem Ort bedroht die Gerechtigkeit an jedem anderen“. Wir fordern alle teilnehmenden Künstler*innen auf, die Unteilbarbarkeit von Gerechtigkeit zu bedenken und sich zu weigern, den friedlichen Kampf für die palästinensischen Menschenrechte zu untergraben.

Original

Berlin Against Pinkwashing - 1 August 2019

UNTERSTÜTZUNGSBEKUNDUNG FÜR DEN PACBI-AUFRUF ZUM BOYKOTT DES POP-KULTUR FESTIVALS 2019

Berlin Against Pinkwashing schließt sich dem Aufruf von PACBI (Palestinian Campaign for the Academic and Cultural Boycott of Israel) an und fordert alle teilnehmenden Künstler*innen auf, sich vom Berliner Pop-Kultur-Festival 2019 zurückziehen. Aufgrund seiner andauernden Partnerschaft mit der israelischen Botschaft ermöglicht Pop-Kultur es dem Staat Israel, sich als progressive Einheit zu profilieren und die Welt von seinem Apartheidstaat und der illegalen Besetzung Palästinas abzulenken.

Als gemischte multiethnische Gruppe von queeren und mit Queers* verbündeten Aktivist*innen halten wir es für grundlegend wichtig, mit der palästinensischen Zivilgesellschaft in ihrem friedlichen Protest gegen die systematische Unterdrückung durch den israelischen Staat solidarisch zu sein.

Israel verstößt derzeit mit seiner Besetzung palästinensischen Gebiets gegen das Völkerrecht und hat den systematischen Ausschluss palästinensischer Stimmen – darunter Frauen*, LGBTIQ* und GNC-Leute – zur öffentlichen Ordnung erklärt. Gleichzeitig hat Israel eine millionenschwere Kampagne ins Leben gerufen, um sich selbst als egalitären, LGBTIQ*-freundlichen Staat zu präsentieren. Dieser Staat gewährt LGBTIQ*-Rechte jedoch nur einer exklusiven Gruppe auf der Basis von ethnischer Zugehörigkeit, Religion und Nationalität.

Darüber hinaus ist der palästinensische Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit zweifellos auch ein feministischer: Palästinensische Frauen sind gezwungen, an Kontrollpunkten zu gebären, israelische Siedlungsbehörden machen Wohnhäuser platt und viele Frauen erleben sexuelle Übergriffe durch die israelische Armee.

Wie die Künstlerin Emel Al-Mathlouthi, die 2017  ihren Auftritt beim Pop-Kultur Festival absagte, damals schrieb: „Während sich die Lage innerhalb und außerhalb Palästinas dramatisch verschärft, gibt es immer noch etwas, was jede/r von uns tun kann: Solidarität und Empathie zeigen; als Künstler*innen beginnt es damit, dass wir wahrhaftig sind und unserem Gewissen folgen.

Während wir ein Festival, das Raum für ansonsten marginalisierte queere und POC-Stimmen schafft, herzlich begrüßen, sind wir enttäuscht, dass ein solcher Raum zu einer Werbeplattform für die israelische Botschaft werden würde. Berlin Against Pinkwashing begrüßt erneut die Entscheidung von 14 Künstler*innen aus 6 verschiedenen Ländern, die sich 2017 und 2018 vom Festival zurückgezogen haben. Wir stellen außerdem fest, dass es dem Pop-Kultur 2019 line-up im Gegensatz zu früheren Jahren an progressiven Künstler*innen mangelt, was darauf hindeutet, dass Repräsentation und Vielfalt des Pop-Kultur Festivals durch die engagierte Partnerschaft des Festivals mit dem israelischen Staat beeinträchtigt wurde.

Unabhängig vom Umfang der Finanzierung oder Beteiligung der israelischen Botschaft ist jede Zusammenarbeit, die es einem Staat, der eine illegale Besatzung aufrechterhält, ermöglicht, sich durch die Bereitstellung von Kulturmitteln als fortschrittlicher Ort zu profilieren, unvertretbar. Wir rufen alle Künstler*innen des Pop-Kultur Festival 2019 auf, ihre Auftritte abzusagen und palästinensische Menschenrechte zu unterstützen.

„Mit unserer Musik versuchen wir, sich jeglicher Art von Gewalt, Verfolgung und Diskriminierung gegeneinander zu widersetzen.“ – Islam chipsy & EEK

Original

BOYCOTT! Supporting the Palestinian BDS Call from Within - 4 August 2019

Offener Brief israelischer Staatsbürger*innen an die am Festival Pop-Kultur Berlin teilnehmenden Künstler*innen

Wir sind über tausend Bürger*innen Israels, die die Politik des Kolonialismus, der Militärbesatzung und der Apartheid unserer Regierung gegen das indigene palästinensische Volk ablehnen[1]. Wir unterstützen die palästinensische Kampagne für den akademischen und kulturellen Boykott Israels (PACBI) und rufen alle am Festival Pop-Kultur Berlin teilnehmenden Künstler*innen auf, ihre Teilnahme aufgrund dessen andauernder Partnerschaft mit der israelischen Botschaft zurückzuziehen[2].

Wir unterstützen diese Kampagne, weil sie den universellen Prinzipien der Menschenrechte folgt, einschließlich der Ablehnung jeglicher Form von Rassismus[3]. Wir als Israelis bitten Sie daher, Ihre Teilnahme am Festival abzusagen.

Israel benutzt Kultur offen und aktiv als Teil seiner staatlichen Branding-Strategie [4]. Das israelische Außenministerium bestätigt ganz offen, dass es  jährlich Hunderte von Millionen Dollar ausgibt, um das Image Israels zu verbessern. “Brand Israel” wurde vor einem Jahrzehnt konzipiert, um das beschädigte Image Israels nach Jahrzehnten der Besatzung, der Apartheid und der militärischen Angriffe auf eine Zivilbevölkerung aufzupolieren [5]. Ziel dieser  Strategie ist es, den Fokus der Konversation um Israel von seinem Militärregime und seinen Verbrechen auf seine angenommenen kulturellen oder Hightech-Errungenschaften oder, welch Ironie, auf seine Achtung der Menschenrechte zu verlagern. Dies trifft vor allem auf die Instrumentalisierung der Erfolge der LGBTQ*-Community zu, die in Wirklichkeit erschreckende Rückschläge erleidet[6], insbesondere im Hinblick auf die Gesetzgebung, bei der Israel den meisten europäischen Staaten weit hinterherhinkt [7]. Eine Instrumentalisierung, die das Pop-Kultur-Festival wiederholt, indem es seinen LGBTQ*-freundlichen Raum mit der israelischen Botschaft verbindet.

Der palästinensische Aufruf zu Boykott, Investitionsentzug und Sanktionen (BDS) gegen israelische Institutionen[8] wurde von der palästinensischen Zivilgesellschaft (Gewerkschaften, Frauen- und Jugendverbänden, akademische Verbänden, Menschenrechtsorganisationen, Gemeindezentren, kulturelle Vereinigungen, religiöse Organisationen, Mediengruppen usw.) initiiert und konzipiert, in Übereinstimmung mit allen ihren voneinander getrennten Sektoren – im Westjordanland, im Gazastreifen, in Israel selbst und mit den palästinensischen Flüchtlingen auf der ganzen Welt. Es sind die direkt von der israelischen Politik Betroffenen, die uns als rechtschaffene Menschen auffordern, Israel zu boykottieren.  

Viele Jüdinnen und Juden, die ihrem Gewissen folgen, weltweit und einige von uns in Israel, unterstützen den Aufruf. In all den Jahren, in denen wir dafür eingetreten sind, wurde uns immer und immer wieder klar, dass Israel von ausländischen Mitteln und der Zustimmung für seine Politik abhängig ist, dass daher der Abzug von ausländischen Investitionen und die Missbilligung seiner Politik der einzige Weg ist, Israel dazu zu bringen, sich an Völkerrecht und die Prinzipien der Menschenrechte zu halten.

Aus diesem Grund bitten wir Sie, Ihre Teilnahme an einem Festival zu überdenken, das die Zusammenarbeit mit der israelischen Botschaft über ihr eigenes künstlerisches Programm stellt[9] und mit einer Regierung zusammenarbeitet, die Kolonialismus, Militärbesatzung und Apartheid gegen eine indigene Bevölkerung betreibt. Bitte nehmen Sie nicht an dieser Partnerschaft teil und ziehen Sie sich vom Festival Pop-Kultur Berlin zurück. 

Für Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Hochachtungsvoll

BOYCOTT! Supporting the Palestinian BDS Call from Within

Fussnoten:

[1] http://www.boycottisrael.info/

[2] https://bdsmovement.net/news/boycott-pop-kultur-berlin-festival-2019

[3] https://bdsmovement.net/news/%E2%80%9Cracism-and-racial-discrimination-a…

[4] https://pulsemedia.org/2010/08/23/we%E2%80%99ll-take-over-the-world-mini…

[5] https://electronicintifada.net/content/behind-brand-israel-israels-recen…

[6] https://972mag.com/homophobia-rears-its-ugly-head-in-pride-month-in-isra…

https://972mag.com/no-more-waiting-lgbtq-israelis-must-take-the-rights-t…

[7] https://www.haaretz.com/.premium-poll-israel-has-low-tolerance-gays-1.53…

[8] http://www.bdsmovement.net/call

[9] https://www.facebook.com/823683424384531/posts/2370067223079469/

 

Original

Israelische Künstler*innen - 9 August 2019

Israelische Künstler*innen unterstützen den Boykott des Pop-Kultur Berlin Festival 2019

‘Als israelische Künstler*innen, Musiker*innen und Filmemacher*innen unterstützen wir den Aufruf der Palästinenser*innen, das Festival Pop-Kultur Berlin 2019 zu boykottieren angesichts seiner Komplizenschaft mit dem rassistischen Regime Israels.

Solange Pop-Kultur weiterhin die israelische Botschaft als Partner hat, werden alle Auftritte bei dem Festival von der israelischen Regierung instrumentalisiert, um die Besatzung zu übertünchen und sich durch Kultur neu zu profilieren.

Wir halten es für moralisch unabdingbar, dass die jahrzehntelange Unterdrückung von Millionen von Palästinenser*innen durch die israelische Regierung beendet werden muss, und dass Boykotte, die im Völkerrecht und in den universellen Prinzipien der Menschenrechte verankert sind, eine legitime, gewaltfreie und bewährte Taktik sind.

Wir sind bestürzt darüber, dass der Festivaldirektor im vergangenen Jahr den BDS zu Unrecht als “antisemitisch” verurteilt hat, um seine Partnerschaft mit der israelischen Botschaft zu verteidigen. Selbst Avi Primor, ehemaliger israelischer Botschafter in Deutschland, stimmt zu: “Das Leitmotiv der BDS-Bewegung ist Gerechtigkeit für die Palästinenser“.

Wir stimmen mit 240 jüdischen und israelischen Wissenschaftler*innen überein, die die Bundesregierung aufforderten, den jüngsten anti-palästinensischen Beschluss des Bundestages, in dem die BDS-Bewegung für die Rechte der Palästinenser*innen fälschlicherweise mit Rassismus gleichgesetzt wurde, nicht zu unterstützen. Sie fügten hinzu, dass sie “entsetzt darüber sind, dass Forderungen nach Gleichberechtigung und der Einhaltung des Völkerrechts als antisemitisch angesehen werden “.

Wir stimmen auch mit Ishay Rosen Zvi, einem Talmud-Professor an der Universität Tel Aviv, überein, der anprangerte, dass sowohl in Deutschland als auch anderswo versucht wird, “die Unterschiede zwischen Kritik am Zionismus, Kritik an Israel, Kritik an der Politik der Regierung Israels und Antisemitismus zu beseitigen”.’

Unterzeichnet von

Aviad Albert, Musiker

Dror Dayan, Filmemacher und Filmwissenschaftler

Ohal Grietzer, Musikerin

Avi Hershkovitz, Filmregisseur

Liad Hussein Kantorowicz, Performance-Künstlerin

Jonathan Ofir, Violinist und Dirigent

Michal Peleg, Autorin

Ben Ronen, Bildender Künstler

Michal Sapir, Schriftstellerin und Musikerin

Yonatan Shapira, Musiker

Professor Eyal Sivan, Filmemacher

Oriana Weich, Kulturschaffende

Karen Zack, Photographin

Original

Artists for Palestine UK - 10 August 2019

Offener Brief an vom Pop-Kultur Berlin 2019 gebuchte britische Kunstschaffende

Liebe britische Künstler, die für das Festival Pop-Kultur Berlin 2019 gebucht wurden,

Artists for Palestine UK hat sich der Aufforderung von Palästinenser*innen, aber auch von israelischen Künstler*innen und Menschenrechtsverteidiger*innen sowie von LGBTQI+-Kampagnen in Berlin angeschlossen, aus Protest gegen die fortgesetzte Partnerschaft des Festivals mit der israelischen Botschaft die Teilnahme am Pop-Kultur Berlin 2019 zurückzuziehen.

Wie Sie vielleicht wissen, nutzt die rechtsextreme israelische Regierung Kunst auf zynische Weise, um ihr Image im Ausland zu verbessern und von der staatlich sanktioniert Diskriminierung und Gewalt gegen Millionen palästinensischer Menschen aufgrund ihrer Identität abzulenken. Aus diesem Grund forderten die Palästinenser*innen Pop-Kultur Berlin dazu auf, die Partnerschaft mit dem israelischen Staat zu beenden.

Kunst ist wichtig. Kunst sollte nicht dazu benutzt werden, ein Regime zu beschönigen, dessen Apartheidcharakter explizit und unbestreitbar geworden ist.

Wir hoffen, dass Kunstschaffende aus dem Vereinigten Königreich, die im Programm des Pop-Kultur Berlin 2019 stehen, sich dafür entscheiden, stattdessen hinter palästinensischen Kunstschaffenden und ihrem Publikum zu stehen – ob sie unter Militärbesatzung im besetzten Westjordanland, in Ostjerusalem oder im Gazastreifen leben, als Bürger*innen zweiter Klasse innerhalb der Grenzen Israels im historischen Palästina oder im Exil, in den Flüchtlingslagern und der Diaspora.

Letztes Jahr hat Israel das al-Mishal-Kulturzentrum in Gaza ins Visier genommen und vollständig zerstört. Die UNO hat festgestellt, dass Fotojournalist*innen im Gazastreifen seit 2018 gezielt von israelischen Scharfschützen erschossen werden. Palästinensische Fotograf*innen und Journalist*innen im besetzten Westjordanland und in Jerusalem werden regelmäßig schikaniert, angegriffen und festgenommen, während sie versuchen, ihre Arbeit zu erledigen. Das palästinensische Online-Leben ist stark überwacht und viele werden verhaftet, nur weil sie über ihre eigenen Erfahrungen berichten. Zum Beispiel wurde eine palästinensische Dichterin kürzlich aus fast drei Jahren Haft und Hausarrest entlassen, die sie erleiden musste, weil sie eines ihrer Gedichte auf Facebook veröffentlicht hatte.

Der israelische Staat hat das palästinensische Kulturerbe seit seiner Gründung begraben und ausgelöscht, und heute entfernt die Regierung systematisch historische Dokumente aus ihren eigenen Archiven, um Beweise für die ethnische Säuberung der palästinensischen Bevölkerung im Jahr 1948 zu verbergen. Letzte Woche hat der israelische Staat 13 palästinensische Wohnblocks im besetzten Ostjerusalem in die Luft gesprengt, ein Beweis für die Straffreiheit, mit der Israel seine Politik ethnischer Säuberung in aller Deutlichkeit fortsetzt, zuversichtlich, dass dies ohne Sanktionen zur Verteidigung der palästinensischen Bevölkerung von Seiten unserer Regierung(en) stattfindet.

Wie bei der südafrikanischen Apartheid ist der Boykott eine gewaltfreie Waffe der Schwachen gegen die Mächtigen, wenn alle Möglichkeiten zur Suche nach Gerechtigkeit ausgeschöpft sind. Unsere Stärke liegt in unserer Kollektivität. Wir bitten Sie dringend, sich den vierzehn Kunstschaffenden aus sechs Ländern anzuschließen, darunter acht aus Großbritannien, die nach Aufrufen ihre Teilnahme an den beiden Vorgänger-Veranstaltungen des Festivals zurückgezogen haben. Bitte unterstützen Sie den palästinensischen Aufruf und lehnen Sie die Normalisierung der israelischen Apartheid durch Pop-Kultur Berlin ab.

Mit herzlichen Grüßen,

Artists for Palestine UK

Jüdische Stimme für gerechten Frieden im Nahost e.V. - 11 August 2019

Menschenrechtsverletzungen haben keinen Grund zum Feiern! Stellungnahme zum Popkultur-Festival Berlin

…………………………………………………..

Menschenrechtsverletzungen haben keinen Grund zum Feiern!

Stellungnahme zum Popkultur-Festival Berlin

Im August feiert zum fünften Mal das Pop-Kultur-Festival und lädt zum künstlerischen Dialog und internationalem Austausch auf. Auch in diesem Jahr findet sich unter den PartnerInnen und GeldgeberInnen die Israelische Botschaft wieder.

Trotz zahlreicher Stellungnahmen in den letzten Jahren von Organisationen wie PACBI (The Palestinian Campaign for the Academic and Cultural Boycott of Isarel), der Jewish Antifa, BDS Berlin und unserer eigenen Stimme, sowie 14 Absagen von eingeladenen KünstlerInnen aus sechs verschiedenen Ländern, bleibt das Pop-Kultur-Festival der israelischen Regierung treu. Nach dem Motto: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.

Es ist keine Überraschung, dass in diesem Jahr mit kaum Absagen zu rechnen war. Die VeranstalterInnen haben diesmal genauer darauf geachtet, Ihre eingeladenen KünstlerInnen auszuwählen. Zwar steht auf Ihrer Seite, dass Sie Diversität und Dialoge fördern möchten, doch sehen wir hier nur den Dialog von konsensfähigen Themen, das Nachdenken über den Umgang mit systematischen und anhaltenden Menschenrechtsverletzungen bekommt hier weder Bühne, noch Beachtung. Es erinnert schon sehr an Südafrika, als Deutschlands Politik Komplize der Apartheid bis zum Ende des Regimes war. Diese beschämende Tradition hat keinen Platz in einer demokratischen Gesellschaft, in der rechte Kräfte auf dem Vormarsch sind.

Wir, die Jüdische Stimme für gerechten Frieden im Nahost rufen das Pop-Kultur Festival erneut auf, ihre Partnerschaft mit der israelischen Botschaft zu beenden!

Die Loyalität zur israelischen Regierung schadet der politischen und kulturellen Landschaft in Deutschland. Erst dieses Jahr wurde der eingeladene Künstler Talib Kweli aus dem Programm des Open Source Festivals gestrichen, weil er sich weigerte, sich offiziell von der BDS Bewegung zu distanzieren. Das YAAM in Berlin tat es den Düsseldorfern gleich und zwang den amerikanischen Rapper und Aktivisten ebenfalls dazu, seine Kritik an der rassistischen Politik Israels zu zensieren.

Nach dem Beschluss des Bundestags am 17. Mai 2019 die BDS Bewegung als „Antisemitisch“ zu betiteln und ihr „entschlossen entgegenzutreten“ schränkt Deutschland ihren demokratischen Raum mehr und mehr ein. Die blutige Besatzungspolitik Israels wiederum hat keine Schwierigkeiten in Deutschland Fuß zu fassen und Verbündete zu gewinnen. Sie darf ihr Image aufpolieren und ihre Taten „reinwaschen“. Erst kürzliche Partnerschaften mit dem CSD (Christopher Street Day) in Berlin zeigen das menschenrechts- und queerfreundliche Bild, dass Israel von sich selbst malen möchte.

Die Pop-Kultur-Festivalleiterin Katja Lucker meint dazu, die VeranstalterInnen können keinen Nahostkonflikt lösen. Das war auch nie die Aufgabe eines Kulturfestivals. In dem das Festival sich aber von rechtsexremen Staaten finanzieren lässt, trägt es zu deren Legitimierung bei und macht sich so zum Komplizen. Sie verhelfen einem Staat dazu, der tagtäglich internationales Völkerrecht bricht, gegen Menschenrechtskonventionen verstößt und die palästinensische Kultur unterdrückt, ihre nationalistisch ethnischen Ansprüche hinter dem Schein einer Diversität zu verstecken.

Die Solidarität Ihrer eingeladenen KünstlerInnen mit Palästina sollte Sie dazu bewegen sich mit der unausweichlichen Kritik am Staat Israel auseinanderzusetzen, Ihre finanzielle Unterstützung unter Menschenrechtskriterien zu überprüfen und zu reflektieren, warum eine Partnerschaft mit einem rechtsextremen Besatzungsstaat weder Kunst, noch offene oder konstruktive Dialoge fördert. Stattdessen wurden die Absagen von Ihnen und den deutschen Medien kritisiert und ignoriert.

Wir rufen die eingeladenen KünstlerInnen dazu auf, Ihre Teilnahme zu überdenken und ihr Talent und ihre Kunst nicht mit der Unterstützung der Israelischen Regierung darzustellen. Ebenso möchten wir alle LeserInnen dazu motivieren, an das Pop-Kultur-Festival zu schreiben und die VeranstalterInnen daran erinnern, warum wir eine Partnerschaft mit dem Besatzungsstaat Israel nicht dulden werden. Um es mit den Worten von Talib Kweli auszudrücken: „Jeglicher Antirassismus, der PalästinenserInnen ausschließt, ist überhaupt kein Antirassismus“.

Aller Guten Dinge sind Drei. Wir rufen die FestivalleiterInnen erneut dazu auf, nicht nur vom diskursiven Raum zu prädigen, sondern ihn auch selbst im eigenen Kreise zu schaffen. Nach vierzehn Absagen von eingeladenen KünstlerInnen, zahlreichen Boykottaufrufen und gescheiterten Podiumsdiskussion im letzten Jahr, in dem über BDS und über Palästinenser und nicht mit BDS-AktivistInnen und PalästinenserInnen gesprochen wurde, finden wir, dass die LeiterInnen Grund genug hätten, ihre Kooperation mit der israelischen Botschaft einzustellen.

Original

Share This